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Die „Zombie-Zellen“ in unserem Körper – und was unsere Killerzellen damit zu tun haben

Autorenbild: HP Burkhard Schroeder
HP Burkhard Schroeder
29. Aug.
5 Min. Lesezeit



Stellen Sie sich vor, in Ihrer Straße funktioniert die Müllabfuhr plötzlich nicht mehr richtig.

Zunächst fällt das kaum auf. Ein paar Müllsäcke bleiben liegen. Doch nach einigen Wochen werden es immer mehr. Irgendwann wird aus einem kleinen Problem eine Belastung für die gesamte Umgebung. Etwas Ähnliches kann in unserem Körper passieren.

Mit zunehmendem Alter sammeln sich Zellen an, die ihre eigentliche Arbeit eingestellt haben, aber trotzdem nicht verschwinden. Wissenschaftler sprechen von seneszenten Zellen. Anschaulicher werden sie manchmal als „Zombie-Zellen“ bezeichnet. Und genau hier kommen erstaunliche Helfer ins Spiel: unsere Natürlichen Killerzellen – kurz NK-Zellen.


Was sind seneszente Zellen?

Unser Körper erneuert sich ständig. Alte oder beschädigte Zellen werden ersetzt, Gewebe repariert und nicht mehr benötigte Zellen normalerweise beseitigt. Wird eine Zelle jedoch durch Alterung, DNA-Schäden oder starken zellulären Stress beeinträchtigt, kann sie ihre Teilung dauerhaft einstellen. Dieser Mechanismus ist zunächst sinnvoll: Eine beschädigte Zelle, die sich nicht mehr vermehrt, kann ihre Schäden auch nicht einfach an immer neue Zellen weitergeben.

Problematisch wird es, wenn solche Zellen anschließend nicht beseitigt werden. Sie bleiben im Gewebe zurück und können eine Vielzahl von Entzündungsstoffen, Enzymen und Signalmolekülen freisetzen. Wissenschaftler bezeichnen dieses Muster als SASP – Senescence-Associated Secretory Phenotype. Vereinfacht gesagt: Die Zelle arbeitet nicht mehr richtig – beeinflusst aber weiterhin ihre Umgebung.


Wenn überaltete Zellen ihre Nachbarn stressen

Stellen Sie sich einen Mitarbeiter in einem Unternehmen vor, der seine eigentliche Arbeit längst eingestellt hat. Er geht aber auch nicht nach Hause. Stattdessen läuft er von Büro zu Büro, hält seine Kollegen von der Arbeit ab und sorgt ständig für schlechte Stimmung. Irgendwann sinkt die Leistungsfähigkeit der ganzen Abteilung. So ähnlich können seneszente Zellen auf ihre unmittelbare Umgebung wirken.

Mit zunehmendem Alter können sich immer mehr dieser Zellen ansammeln. Gleichzeitig kann die Leistungsfähigkeit jener Teile unseres Immunsystems nachlassen, die solche auffälligen Zellen erkennen und beseitigen. Es entsteht ein ungünstiger Entzündungskreislauf.


„Inflammaging“ – wenn das Alter mit einer stillen Entzündung einhergeht

In der Altersforschung gibt es dafür den Begriff Inflammaging. Er setzt sich aus den englischen Begriffen inflammation – Entzündung – und aging – Altern – zusammen. Gemeint ist eine chronische, meist niedriggradige Entzündungsaktivität, die mit zunehmendem Lebensalter häufiger beobachtet wird. Seneszente Zellen sind ein wesentlicher Bestandteil dieser altersabhängigen Entzündungsprozesse


Jetzt kommen unsere „Killerzellen“ ins Spiel

Der Name klingt zunächst etwas bedrohlich. Dabei gehören Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) zu einem wichtigen Teil unserer körpereigenen Immunabwehr. Sie patrouillieren gewissermaßen durch unseren Organismus und suchen nach auffälligen Zellen. Besonders bekannt sind NK-Zellen für ihre Fähigkeit, bestimmte virusinfizierte oder veränderte, erkrankte Zellen zu erkennen und abzutöten.

Auch bei der Überwachung und Beseitigung seneszenter Zellen spielen verschiedene Komponenten des Immunsystems eine Rolle. Dazu gehören unter anderem NK-Zellen, T-Zellen und Makrophagen. Man kann sich diese Immunzellen wie eine Kombination aus Polizei und Müllabfuhr vorstellen: Sie suchen nach auffälligen Zellen, erkennen bestimmte Warnsignale und können deren Beseitigung einleiten.



Entscheidend ist nicht nur, wie viele Killerzellen Sie besitzen

Angenommen, in einer Stadt arbeiten 500 Müllwerker. Diese Zahl allein sagt noch wenig darüber aus, wie sauber die Stadt ist. Entscheidend ist auch: Arbeiten diese Menschen tatsächlich effektiv? Bei NK-Zellen verhält es sich ähnlich. Eine Laboruntersuchung kann zeigen, wie viele NK-Zellen sich im Blut befinden. Daraus lässt sich aber nicht automatisch schließen, wie gut diese Zellen ihre Aufgabe erfüllen. Man muss deshalb zwischen Anzahl und Funktion unterscheiden.


Kann man Killerzellen im Labor untersuchen?

NK-Zellen werden dabei anhand charakteristischer Oberflächenmerkmale identifiziert. Hierfür werden unter anderem CD3, CD16 und CD56 verwendet. Das Labor kann daraus den prozentualen Anteil und die absolute Anzahl bestimmter NK-Zellpopulationen bestimmen. Das ist zunächst eine Bestandsaufnahme. Aber viele NK-Zellen bedeuten nicht automatisch eine hohe NK-Zell-Aktivität.


2. NK-Zell-Zytotoxizität – können die Zellen tatsächlich töten?

Bei bestimmten Fragestellungen ist deshalb eine funktionelle Untersuchung interessant. Hier wird im Labor untersucht, wie effektiv NK-Zellen definierte Zielzellen abtöten können. Damit wird nicht nur gefragt „Wie viele NK-Zellen sind vorhanden?“, sondern „Wie gut funktionieren sie?“


3. Stimmulationstest der NK-Zellen

Das Labor setzt der Blutprobe vorher ausgewählte Substanzen zu und es wird gemessen, welche der Substanzen bei dieser individuellen Probe die Aktivität der Killerzellen optimal stimuliert. Dies ist ganz entscheidend, denn statt irgendein, das Immunsystem stimmulierendes Medikament zu geben (wie z.B. Echinacea, Quercetin, Mistel, Thymus, Vitamine, Heilpilzextrakte etc.), läßt sich so gezielt auswählen welches

Medikament in diesem Fall, individuell für diesen Patienten, die größtmögliche Stimulation der Killerzellen bewirkt.


Was können Sie selbst für ein gesundes Immunsystem tun?

Bewegen Sie sich regelmäßig

Sie müssen dafür keinen Marathon laufen. Nehmen Sie beispielsweise die Treppe statt des Aufzugs. Gehen Sie nach dem Mittagessen 20 Minuten spazieren. Fahren Sie kleinere Strecken mit dem Fahrrad. Ergänzen Sie nach Möglichkeit regelmäßiges Krafttraining. Entscheidend ist weniger eine einzelne sportliche Höchstleistung als regelmäßige Bewegung.

Schlafen Sie ausreichend

Nach mehreren Nächten mit schlechtem Schlaf fühlen Sie sich nicht nur müde. Schlaf und Immunsystem beeinflussen sich gegenseitig. Machen Sie deshalb aus Schlaf keine Restgröße des Tages. Planen Sie ihn genauso bewusst ein wie einen wichtigen Termin.

Nehmen Sie Dauerstress ernst

Ein stressiger Tag gehört zum Leben. Problematischer wird es, wenn aus Tagen Monate werden. Bauen Sie bewusst kleine Unterbrechungen ein: einen Spaziergang ohne Smartphone, zehn Minuten Ruhe, Sport, Musik oder ein Gespräch mit einem Menschen, bei dem Sie nicht funktionieren müssen. Meiden Sie auch Elektrosmog in Ihrer unmittelbaren Umgebung besonders im Schlafzimmer. Befreien Sie Ihren Körper weitestgehend von toxischen Belastungen und chronischen Entzündungsherden.

Essen Sie nicht „perfekt“ – essen Sie überwiegend gut

Gesunde Ernährung muss nicht bedeuten, dass Sie nie wieder ein Stück Kuchen essen dürfen. Entscheidend ist das Muster über Wochen, Monate und Jahre. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, hochwertigen Eiweißquellen und möglichst wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln liefert zahlreiche Mikronährstoffe.

Eine der bekanntesten, für jeden zugänglichen Methoden, ist das intermittierende Fasten oder Fasten überhaupt.  Beim Fasten auch, wenn man es intermittieren macht, also 16 Stunden keine Kalorien zu sich nimmt, kommt es nach 12 Stunden Fasten zu einem sehr wichtigen Prozess, der heißt Autophagie.

Das ist ein wichtiger Prozess durch den sich Zellen wieder selbst reparieren und seneszente Zellen dabei aktiv abgebaut werden.

Was bewirken Senolytica ?

In der Altersforschung wird intensiv nach Substanzen gesucht, die seneszente Zellen gezielt beseitigen können. Solche Substanzen werden als Senolytika bezeichnet. Zu den natürlichen Senolytika gehören z.B. die sekundäre Pflanzenstoffe. Wichtig sind hierbei die Flavonoide, Polyphenole und Resveratrol. Sie wirken auf sogenannte Transkriptionsfaktoren, das sind Proteine, die die in den Zellkern wandern und dort ganz spezifische Gene aktivieren, die für unsere Gesundheit sehr wichtig sind. Besonders das Querzetin ist eine der Hauptsubstanzen, die seneszenten Zellen im Körper zu vermindern. Je weniger seneszente Zellen wir haben, desto langsamer altern wir, desto besser ist unser biologisches Alter.


Vielleicht sollten wir Altern anders betrachten

Altern bedeutet nicht einfach, dass unsere Zellen immer schwächer werden. Unser Körper befindet sich vielmehr in einem lebenslangen Gleichgewicht: Zellen entstehen, erfüllen ihre Aufgaben, werden beschädigt und müssen irgendwann wieder verschwinden. Gesundes Altern hängt deshalb nicht nur davon ab, wie gut wir neue Zellen bilden, sondern auch davon, wie zuverlässig unser Organismus beschädigte und nicht mehr benötigte Zellen erkennt und beseitigt.

Praktische Orientierung

Wenn Sie wissen möchten, wie es um Ihr Immunsystem bestellt ist, sollte nicht wahllos ein einzelner „Killerzellen-Test“ durchgeführt werden. Sinnvoller ist eine stufenweise Betrachtung: Zunächst klären, warum eine immunologische Untersuchung sinnvoll sein könnte. Dafür eignet sich die Vitalfelddiagnose als Basisuntersuchung. Bei entsprechenden Hinweisen aus der Vitalfelddiagnose dann Laboruntersuchungen der Lymphozytensubpopulationen einschließlich NK-Zellen. Wenn medizinisch begründet, zusätzlich eine funktionelle NK-Zell-Diagnostik erwägen. Die Ergebnisse werden immer gemeinsam mit der Krankengeschichte und weiteren Befunden interpretieren und ein möglicher Behandlungsplan wird dann vom Therapeuten erarbeitet und ausführlich mit dem Patienten besprochen.

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