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Silent inflammation - die 5 Zeichen die man kennen sollte.

  • HP Burkhard Schroeder
  • 28. Mai
  • 6 Min. Lesezeit
Frau mit den 5 Zeichen einer stillen Entzündung - Silent inflammation
Frau mit den 5 Zeichen einer stillen Entzündung - Silent inflammation

Fünf Symptome, die ich ernst nehme, wenn ich herausfinden möchte, ob eine Person an chronischen Entzündungen leidet. Das sind Symptome, die viele Menschen übersehen, die aber wirklich wichtig sind. Es sind die Zeichen, die oft heruntergespielt oder ignoriert werden.

  • „Es war einfach eine stressige Woche.“

  • „Ich habe nur schlecht geschlafen.“

  • „Ich werde eben älter.“

 

Ich bin Heilpraktiker mit über 30 Jahren Praxiserfahrung und diese Muster sehe ich immer wieder. Deshalb betrachten wir heute alle fünf Symptome: was sie sind, was im Körper tatsächlich passiert und warum jedes einzelne ernst genommen werden sollte, anstatt es zu normalisieren.

 

Welche Arten der Entzündung gibt es ?

Bevor wir anfangen, ist ein wichtiger Punkt entscheidend für das Verständnis: Entzündungen können sich auf zwei unterschiedliche Arten zeigen.

 

1.  Es gibt akute Entzündungen – etwa bei einer Blasenentzündung, Fieber während einer Grippe oder der Rötung und Schwellung um eine Wunde herum. Das ist eigentlich Heilung. Das Immunsystem macht seine Arbeit und fährt danach wieder herunter.

 

2.  Chronische, niedriggradige Entzündungen

(neuer Ausdruck: silent inflammation) sind dagegen etwas völlig anderes. Das Immunsystem hört nicht mehr auf. Es bleibt dauerhaft aktiv – manchmal über Monate oder sogar Jahre hinweg. Diese unnötige Aktivierung erreicht über den Blutkreislauf jedes Organsystem. Genau diese Art von Entzündung wird mit Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Autoimmunerkrankungen, Depressionen, Demenz und einem allgemeinen Gefühl verbunden, „nicht ganz man selbst“ zu sein.

 

Heute sprechen wir über dieses überaktive Immunsystem und darüber, wie es sich im Körper zeigt – nicht nur in Bluttests, sondern vor allem darin, wie man sich fühlt. Das sind Signale, die der Körper bereits sendet und die wir ernst nehmen sollten.

 

Wichtig ist außerdem: Keines dieser Symptome allein bedeutet automatisch, dass man chronische Entzündungen hat. Symptome sind keine Diagnose. Sie sind Ausdruck einer Erkrankung, nicht die Erkrankung selbst. Aber wenn zwei oder drei dieser Symptome gemeinsam auftreten, entsteht ein Muster. Und genau dann beginne ich als Heilpraktiker, die Entzündungsfrage zu stellen.


Die 5 Symptome

 

 

 Das typische Muster sieht so aus: Eine Frau in ihren Vierzigern erzählt mir, dass ihr mitten im Satz die Worte fehlen. Sie geht in einen Raum und vergisst sofort, was sie dort wollte.

 

Oft heißt es dann: Stress, Perimenopause oder Müdigkeit. Und manchmal stimmt das auch. Aber es gibt noch einen anderen Faktor, über den viel zu wenig gesprochen wird.

 

Wenn das Immunsystem selbst auf niedrigem Niveau aktiviert ist, produziert es entzündungsfördernde Zytokine. Man kann sich diese wie kleine Nachrichten vorstellen, die anderen Immunzellen sagen: „Werdet aktiv.“

 

Das Problem: Das Gehirn besitzt eigentlich eine Schutzbarriere – die Blut-Hirn-Schranke. Ihre Aufgabe ist es, das Gehirn zu schützen.

 

Neuere Forschung zeigt jedoch, dass Entzündungen im Körper diese Schutzbarriere stören können. Dadurch gelangen entzündliche Stoffe ins Gehirngewebe. Das führt zu sogenannten Neuroentzündungen.

 

Das Gehirn interpretiert diese Signale dann als Warnung: „Im Körper stimmt etwas nicht.“ Als Schutzmechanismus schaltet es in einen Energiesparmodus. Motivation, Konzentration und geistige Klarheit werden heruntergefahren.

 

Das ist der Mechanismus hinter dem Gehirnnebel, den viele Menschen erleben:

 

  • langsamere Verarbeitung,

  • schlechterer Abruf von Informationen,

  • mentale Erschöpfung,

  • das Gefühl, geistig ausgelaugt zu sein.

 

Viele Menschen fühlen sich nicht ernst genommen, wenn sie über Brain Fog sprechen. Aber dieses Gefühl ist real. Es ist derselbe Mechanismus, der einen während einer Grippe geistig erschöpft fühlen lässt. Der Unterschied: Bei einer Grippe ist das vorübergehend. Bei chronischen Entzündungen bleibt dieses Signal dauerhaft aktiv.

 

 

Ein großer Teil dieser chronischen Immunaktivierung beginnt im Darm. Die Darmbarriere ist die größte Immunoberfläche des Körpers. Wenn sie geschädigt wird – oft als „Leaky Gut“ bezeichnet – entsteht dort eine chronische niedriggradige Entzündung. Diese Aktivierung wirkt sich schließlich auf den gesamten Körper aus, einschließlich des Gehirns.

 

Deshalb berichten Menschen, die ihre Ernährung verbessern, ihr Mikrobiom stärken und Entzündungen reduzieren, oft:

„Mein Kopf fühlt sich plötzlich viel klarer an.“

 

Das ist kein Placebo. Das bedeutet, dass Darm- und Gehirnbarrieren sich wieder stabilisieren.

 

Wenn Gehirnnebel nicht eindeutig durch Schlafmangel, Medikamente oder offensichtlichen Stress erklärbar ist, sollte man ihn ernst nehmen.

 

Das ist die Person, die sieben oder acht Stunden schläft und trotzdem erschöpft aufwacht.

 

Sie optimiert ihren Schlaf, reduziert Koffein, lässt Blutwerte kontrollieren – und alles scheint normal. Trotzdem bleibt die Müdigkeit bestehen.

 

Studien zeigen, dass Entzündungen direkt Müdigkeit verursachen können. Selbst gesunde Menschen entwickeln nach einer künstlich ausgelösten Immunaktivierung innerhalb weniger Stunden:

 

  • Müdigkeit,

  • schlechtere Stimmung,

  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit.

  •  

In meiner Praxis waren die meisten Menschen mit dieser Art von Erschöpfung Frauen. Oft beginnt die Ursache wieder im Darm:

 

  • gestörtes Mikrobiom,

  • geschädigte Darmbarriere,

  • chronische niedriggradige Entzündung,

  • dauerhafte Aktivierung des Immunsystems,

  • Störung der Blut-Hirn-Schranke,

  • entzündliche Signale im Gehirn.

 

Zusätzlich beeinflussen Entzündungen auch die Gehirnchemie. Sie können beispielsweise den Serotoninstoffwechsel (Serotonin= unser „Glückshormon“) verändern.

 

Deshalb können Laborwerte völlig normal aussehen, während man sich komplett ausgelaugt fühlt. Standarduntersuchungen erfassen diese niedriggradigen Entzündungssignale oft nicht.

 

Müdigkeit ist also nicht immer nur ein Schlafproblem. Häufig ist sie ein Entzündungsproblem.

 

Wenn Müdigkeit trotz gutem Schlaf, normaler Blutwerte und vernünftigem Lebensstil bestehen bleibt, sollte sie untersucht werden.

 

Symptom Nummer drei:

Morgensteifigkeit der Gelenke

Vor allem dann, wenn sie länger als 30 Minuten anhält.

 

Das Muster:

 

  • Der Körper fühlt sich morgens steif an.

  • Hände lassen sich schwer öffnen.

  • Knie und Hüften wirken „rostig“.

  • Nach Bewegung wird es langsam besser.

 

Viele Menschen ignorieren das, weil es später am Tag verschwindet. Aber das ist ein klassisches Entzündungsmuster.

 

Entzündete Gelenke versteifen sich über Nacht. Bewegung hilft dabei, entzündliche Stoffe wieder zu verteilen.

 

Rheumatologen nutzen die Dauer der Morgensteifigkeit als wichtigen Hinweis:

 

  • unter 30 Minuten → eher mechanische Ursachen („Verschleiß“),

  • über 30 Minuten → Verdacht auf Entzündung.

 

Auch hier besteht wieder eine Verbindung zum Darm. Wenn die Darmbarriere gestört ist, können bakterielle Bestandteile ins Blut gelangen. Das Immunsystem reagiert darauf – und diese Reaktion spürt man möglicherweise in den Gelenken.

 

Deshalb wirken Ernährungsweisen, die Darmentzündungen beruhigen, oft auch positiv auf Gelenkbeschwerden.

 

Morgensteifigkeit sollte nicht einfach als „normales Altern“ abgetan werden.

 

Symptom Nummer vier:

Hartnäckige Hautprobleme

 

Zum Beispiel:

 

* Akne im Erwachsenenalter,

* Rosacea,

* Ekzeme,

* wiederkehrende Hautreizungen

* Psoriasis

 

Oft behandelt man nur die Haut:

 

* Cremes,

* Salben,

* dermatologische Therapien.

 

Aber häufig behandelt man damit nur das Ergebnis, nicht die Ursache.

 

Forschung zur sogenannten Darm-Haut-Achse zeigt, dass das Darmmikrobiom die Haut stark beeinflusst:

 

  • das Immunsystem der Haut,

  • die Erneuerung von Hautzellen,

  • Entzündungsprozesse.


Darm und Haut sind beide Barriereorgane. Beide besitzen ein eigenes Mikrobiom und stehen in engem Kontakt mit dem Immunsystem.

 

Wenn das Mikrobiom gestört ist oder die Darmbarriere geschädigt wird, können Entzündungssignale andere Bereiche des Körpers erreichen – unter anderem die Haut.

 

Deshalb sprechen viele Hautprobleme im Erwachsenenalter nicht vollständig auf rein äußerliche Behandlungen an.

 

Die Haut kann ein sichtbares Zeichen dafür sein, was im Darm passiert.

 

 

Das ist wahrscheinlich das Symptom, das ich am häufigsten sehe.

 

Typische Beispiele:

 

* tägliche Blähungen,

* unregelmäßiger Stuhlgang,

* Reflux nach dem Essen,

* Krämpfe,

* empfindlicher Magen.

 

Viele Menschen gewöhnen sich daran und hören irgendwann auf, darüber zu sprechen.

 

Doch vieles, was als „Reizdarm“ oder „funktionelle Verdauungsstörung“ bezeichnet wird, hat durchaus erkennbare und messbare biologische Ursachen:

 

* niedriggradige Entzündungen der Darmschleimhaut,

* Aktivierung des Immunsystems,

* erhöhte Durchlässigkeit des Darms,

* Veränderungen des Mikrobioms,

* anhaltende Folgen früherer Infektionen.

 

Die moderne Forschung betrachtet Reizdarm deshalb zunehmend nicht mehr als „unerklärliche“ Erkrankung, sondern als Folge konkreter Darm- und Immunstörungen.

 

Und genau deshalb ist das wichtig: Chronische Entzündungen beginnen häufig im Darm.

 

Blähungen, unvorhersehbare Verdauung oder Reflux sind also nicht unbedingt „einfach normal“.

 

Der Darm ist möglicherweise nicht nur empfindlich – er könnte entzündet sein.

 

Damit haben wir fünf Symptome und fünf verschiedene Wege gesehen, wie sich dieselbe Ursache – chronische niedriggradige Entzündungen – im Körper zeigen kann.

 

Keines dieser Symptome allein ist eine Diagnose. Aber wenn mehrere gemeinsam auftreten, entsteht ein Muster, das ernst genommen werden sollte.

 

Denn Gehirnnebel, Müdigkeit, Gelenksteifigkeit, Hautprobleme und Verdauungsbeschwerden wirken zwar wie völlig unterschiedliche Probleme – möglicherweise erzählen sie aber dieselbe Geschichte.


 

Quellen:

Dr. Will Bulsiewicz MD

 

Dantzer R et al., Nat Rev Neurosci 2008 – peripheral inflammation – cytokine signaling to brain – sickness behavior including cognitive symptoms (PMID 18073775)

 

Greene C et al., “Blood-brain barrier disruption and sustained systemic inflammation in individuals….

Nature Neuroscience 2024;27(3):421-432.

PMID 38399736. DOI: 10.1038/s41593-024-01576-9

 

Holtmann GJ, Ford AC, Talley NJ. Lancet Gastroenterol Hepatol 2016 – IBS pathophysiology, immune activation,altered permeability, microbiome disturbance.

PMD 28404070

 

 
 
 

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