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ApoB: Warum ein „normales“ LDL-Cholesterin nicht immer die ganze Wahrheit zeigt

  • Autorenbild: HP Burkhard Schroeder
    HP Burkhard Schroeder
  • 26. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Ein LDL-Cholesterinwert im vermeintlich günstigen Bereich wirkt zunächst beruhigend.

Trotzdem kann die Zahl der Lipoproteinpartikel, die Cholesterin durch das Blut transportieren, erhöht sein. Genau hier kann Apolipoprotein B – kurz ApoB – zusätzliche Informationen liefern.

Das bedeutet nicht, dass LDL-Cholesterin unwichtig wäre. LDL-C bleibt ein zentraler Wert für die Beurteilung und Behandlung von Fettstoffwechselstörungen. ApoB beantwortet jedoch eine etwas andere Frage: Während LDL-C vor allem die Menge des transportierten Cholesterins beschreibt, gibt ApoB näherungsweise Auskunft über die Anzahl atherogener Lipoproteinpartikel.


Was ist ApoB?

ApoB ist ein Strukturprotein auf der Oberfläche potenziell atherogener Lipoproteine. Dazu gehören insbesondere LDL, IDL, VLDL-Remnants und Lipoprotein(a). Jedes dieser Partikel trägt ein ApoB-Molekül. Deshalb kann die ApoB-Konzentration als Maß für die Gesamtzahl dieser Partikel dienen.

Vereinfacht gesagt:

  • LDL-C beschreibt, wie viel Cholesterin in LDL-Partikeln transportiert wird.

  • ApoB spiegelt wider, wie viele atherogene Partikel im Blut unterwegs sind.

  • Non-HDL-C erfasst die Cholesterinmenge in allen atherogenen Lipoproteinen und ist ebenfalls ein wichtiger, leicht verfügbarer Marker.

Gleiches LDL-Cholesterin kann mit einer unterschiedlichen Zahl ApoB-haltiger Partikel einhergehen

Abbildung 1: Vereinfachte Darstellung. Zwei Personen können eine ähnliche LDL-Cholesterinmenge, aber eine unterschiedliche Zahl atherogener Partikel aufweisen.


Warum kann die Partikelzahl wichtig sein?

Atherosklerose beginnt unter anderem damit, dass ApoB-haltige Lipoproteinpartikel in die innere Schicht der Gefäßwand gelangen und dort zurückgehalten werden. Darauf können entzündliche Prozesse folgen. Makrophagen nehmen veränderte Lipoproteine auf, Schaumzellen entstehen und im Laufe der Zeit kann sich eine atherosklerotische Plaque entwickeln.

Je mehr atherogene Partikel über längere Zeit zirkulieren, desto häufiger können solche Partikel mit der Gefäßwand in Kontakt kommen. Das Risiko hängt allerdings niemals nur von einem einzelnen Laborwert ab. Blutdruck, Rauchen, Diabetes, Nierenfunktion, Lebensalter, familiäre Belastung, Lipoprotein(a) und weitere Faktoren sind ebenfalls relevant.

Vereinfachter Weg von ApoB-haltigen Partikeln zur Plaquebildung

Abbildung 2: Stark vereinfachte Darstellung der Partikelretention in der Gefäßwand und der anschließenden Entzündungs- und Plaquebildung.


Gleiches LDL-C, unterschiedliche Zahl von Partikeln

Der Cholesteringehalt einzelner LDL-Partikel ist nicht konstant. Manche Partikel transportieren relativ viel, andere relativ wenig Cholesterin. Zwei Menschen können deshalb einen vergleichbaren LDL-C-Wert haben, obwohl bei einem von ihnen deutlich mehr ApoB-haltige Partikel zirkulieren.

Diese Abweichung wird als Diskordanz zwischen LDL-C und ApoB bezeichnet. Sie tritt häufiger bei erhöhten Triglyceriden, metabolischem Syndrom, Übergewicht, Insulinresistenz oder Typ-2-Diabetes auf. In diesen Situationen können viele eher cholesterinarme Partikel vorhanden sein. Der LDL-C-Wert allein kann das damit verbundene Risiko dann unterschätzen.

In der Women’s Health Study mit 27.533 zunächst gesunden Frauen war bei diskordanten Werten das koronare Risiko durch LDL-C allein teilweise über- oder unterschätzt. Eine große UK-Biobank-Auswertung mit 293.876 Erwachsenen zeigte ebenfalls, dass ApoB zusätzliche Risikoinformationen liefern kann, die durch LDL-C, Non-HDL-C und Triglyceride nicht vollständig erfasst werden.


Was ist bei erhöhten Triglyceriden zu beachten?

Bei hohen Triglyceridwerten zirkulieren häufig mehr triglyceridreiche VLDL- und Remnant-Partikel. Auch diese tragen ApoB und können zur Atherosklerose beitragen. Gleichzeitig kann die berechnete LDL-C-Konzentration bei stark erhöhten Triglyceriden ungenauer werden. Moderne Labore verwenden unterschiedliche Berechnungsformeln oder bestimmen LDL-C in bestimmten Situationen direkt.

ApoB wird dagegen direkt im Blut gemessen und benötigt üblicherweise keine Schätzung aus Gesamtcholesterin, HDL-C und Triglyceriden. Das macht den Wert besonders interessant, wenn:

  • die Triglyceride erhöht sind,

  • Diabetes oder ein metabolisches Syndrom vorliegt,

  • LDL-C und Non-HDL-C günstig erscheinen, aber das Gesamtrisiko erhöht ist,

  • unter einer Therapie ein mögliches lipoproteinbedingtes Restrisiko geklärt werden soll,

  • eine familiäre Fettstoffwechselstörung vermutet wird.


Welche ApoB-Werte gelten als günstig?

Für ApoB gibt es keinen universellen Grenzwert, der für alle Menschen gleichermaßen gilt. Referenzbereiche des Labors und therapeutische Zielwerte sind zudem nicht dasselbe. Die anzustrebende Konzentration hängt vom individuellen Herz-Kreislauf-Risiko ab.


Als häufig verwendete Orientierung gelten:

  • bei moderatem Risiko etwa unter 100 mg/dl,

  • bei hohem Risiko etwa unter 80 mg/dl,


    bei sehr hohem Risiko werden teilweise Werte um unter 65–70 mg/dl angestrebt.

Diese Werte sind keine Selbstdiagnose-Grenzen. Ob und wie stark ApoB gesenkt werden sollte, hängt unter anderem von bestehenden Gefäßerkrankungen, Diabetes, Nierenerkrankungen, Blutdruck, Rauchen, familiärer Belastung, LDL-C, Non-HDL-C und Lipoprotein(a) ab. Maßgeblich ist die medizinische Gesamtbeurteilung.


Wie kann ich einen erhöhten ApoB-Wert beeinflussen?Je nach Laborwert können folgende Maßnahmen Teil der Behandlung sein:

  • eine ballaststoffreiche, überwiegend pflanzenbetonte Ernährung,

  • weniger gesättigte und trans-Fettsäuren,

  • regelmäßige Bewegung,

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht,

  • Rauchstopp,

  • gute Einstellung von Diabetes und Blutdruck,

  • bei entsprechender Indikation eine medikamentöse lipidsenkende Therapie.

Welche Maßnahme sinnvoll ist, richtet sich nach Ursache und Gesamtrisiko. Medikamente sollten weder begonnen noch verändert oder abgesetzt werden, ohne dies in zu besprechen.


Was kostet eine Laboruntersuchung:

Apo A1   ca. € 12.-

Apo B     ca. . € 12.-

Cholesterin gesamt  ca. € 3.-

Cholesterin HDL-C ca. € 3.-

Cholesterin LDL-C ca. € 3.-

Triglyzeride  ca.€ 3.-

HbA1c ca. € 12.-


Fazit

LDL-Cholesterin und ApoB betrachten denselben Fettstoffwechsel aus unterschiedlichen Perspektiven:

LDL-C misst die transportierte Cholesterinmenge,

ApoB näherungsweise die Zahl atherogener Partikel.

Meist bewegen sich beide Werte in dieselbe Richtung. Wenn sie jedoch voneinander abweichen, kann ApoB ein Risiko sichtbar machen, das im Standard-Lipidprofil weniger deutlich erscheint.

Besonders bei erhöhten Triglyceriden, Diabetes, metabolischem Syndrom oder einem unerwartet hohen Gesamtrisiko kann es sinnvoll sein, den Behandler auf eine ApoB-Bestimmung anzusprechen.


Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung,Diagnose oder Behandlung. Laborwerte sollten immer im Zusammenhang mit der persönlichen Krankengeschichte und dem gesamten Herz-Kreislauf-Risiko beurteilt werden.




Quellen

  1. American Heart Association: ApoB: Another look at heart disease risk (https://www.heart.org/en/health-topics/cholesterol/how-to-get-your-cholesterol-tested/apolipoprotein-b), aktualisiert am 13. März 2026.

  2. ACC/AHA et al.: 2026 Guideline on the Management of Dyslipidemia – Top Things to Know (https://professional.heart.org/en/science-news/2026-guideline-on-the-management-of-dyslipidemia/top-things-to-know), Circulation, 2026, DOI: 10.1161/CIR.0000000000001423.

  3. McQueen MJ et al.: Lipids, lipoproteins, and apolipoproteins as risk markers of myocardial infarction in 52 countries – INTERHEART (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18640459/), The Lancet, 2008;372:224–233. DOI: 10.1016/S0140-6736(08)61076-4.

  4. Walldius G et al.: High apolipoprotein B, low apolipoprotein A-I, and improvement in the prediction of fatal myocardial infarction – AMORIS (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673601070982), The Lancet, 2001;358:2026–2033.

  5. Walldius G et al.: Long-term risk of a major cardiovascular event by ApoB, ApoA1 and the ApoB/ApoA1 ratio (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8635349/), PLOS Medicine, 2021;18:e1003853.

  6. Mora S et al.: Discordance of LDL cholesterol with alternative LDL-related measures and future coronary events (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24345402/), Circulation, 2014;129:553–561.

  7. Sniderman AD et al.: Discordance among ApoB, Non-HDL-C and triglycerides: implications for cardiovascular prevention (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11242442/), European Heart Journal, 2024;45:2410–2418.

  8. Cantey EP, Wilkins JT: Discordance between lipoprotein particle number and cholesterol content: an update (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29324459/), Current Opinion in Endocrinology, Diabetes and Obesity, 2018;25:130–136.

  9. Witt C et al.: Discordance between serum cholesterol concentration and atherogenic lipoprotein particle number in people with metabolic disease: a systematic review (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40091449/), Diabetes, Obesity and Metabolism, 2025;27:2940–2954.

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